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Samstag, 19. Mai 2012
Experten sehen dringenden Handlungsbedarf – Absage an Oberstufenzentren
 
Auf Antrag der CDU-Fraktion hat der Schulausschuss am gestrigen Abend fünf Stunden lang neun Experten zur Zukunft der gymnasialen Oberstufe angehört.

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Grundlage war der CDU-Antrag 18/1219, in dem der Senat aufgefordert wird, nach dem Vorbild der Oberstufenreformen anderer Bundesländer ein Konzept für Hamburg zu entwickeln.
 
Der schulpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Robert Heinemann: „Die Experten waren sich mit der CDU einig, dass die 30 Jahre alte gymnasiale Oberstufe große Schwächen hat. Sie waren sich aber ebenso einig, dass es kein Patentrezept für eine Oberstufe gibt, die allen Anforderungen Rechnung trägt."
 
Die Erfahrungen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und den besonderen Hamburger Modellen (Max-Brauer-Schule und Eimsbütteler Modell) werden in die Überlegungen zur Oberstufenreform in Hamburg einfließen. Heinemann: „Wir haben uns sehr genau angehört, wo es Fortschritte gibt und wo noch Probleme zu sehen sind. Dies gibt uns die Chance, in Hamburg von den Erfahrungen anderer Bundesländer und auch von den Erfahrungen aus innovativen Hamburger Schulen zu profitieren."
 
Abgelehnt wurden von mehreren Experten die von der GAL geforderten Oberstufenzentren und damit die Kappung der Gymnasien nach Klasse 9 oder 10. Stattdessen sei es sinnvoller, die Wahlfreiheit einzuschränken.
 
Die wesentlichen Ergebnisse der Anhörung:
 
  • Es bestand Einigkeit, dass die in Baden-Württemberg eingeführten Seminarkurse und die „Präsentationsprüfung" ein großer Gewinn sind. Gleiches gilt für die „Besonderen Lernleistungen" (z.B. Teilnahme an Wettbewerben), die es in Hamburg bereits gibt.
  • Durch die Einführung vierstündiger Kurse in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache sowie deren Abprüfung im Abitur in Baden-Württemberg werden diese Fächer von den Schülern „ernster genommen".
  • Die Reformen in Baden-Württemberg wurden von Hochschulen und Wirtschaft unterstützt. Viele Befürchtungen (schlechtere Abiturnoten, Einsparungen) haben sich nicht bewahrheitet. Es gibt aber noch Nachbesserungsbedarf, insbesondere bei der Binnendifferenzierung im vierstündigen Mathematikkurs und bei der festgelegten Stundenverpflichtung der Schüler (zu wenig Zeit für den Wahlbereich).
  • Es besteht vielfach das Problem, dass heute Grund- und Leistungskurse – von Umfang des Lernstoffes abgesehen – kaum unterschieden werden. Der ursprüngliche Ansatz, dass die Leistungskurse zum wissenschaftlichen Lernen hinführen sollen, ist vielfach nicht umgesetzt worden. Die Kultusministerkonferenz hat 1995 in einem Gutachten festgestellt, dass die Grundkurse bis heute keine eigene Gestalt gefunden haben.
  • Oberstufenzentren können zu Anonymität und fehlender Identifikation mit der Schule führen. Die in solchen Zentren angebotene Breite der Wahlmöglichkeiten führt nicht unbedingt zur Qualitätssteigerung – stattdessen „verfranzen" sich die Schulen. Es fehlt weniger die Spezialisierung und die „Exotik", denn die Bildung in der Breite.
  • Die Profiloberstufe der Max-Brauer-Schule zeigt, dass eine Einschränkung der Wahlfreiheit nicht von Nachteil sein muss: Die Schüler sind dort motiviert, lernen eigenständiges Arbeiten und erwerben Methodenkompetenz; die stabileren Lerngruppen ermöglichen Fächer verbindenden Unterricht und sind auch für den Zusammenhalt in der Oberstufe wichtig.
  • Der Erhalt der „Langform" der Gymnasien von Klasse 5 bis 12 ist wichtig, um Schnitte im Schulsystem zu vermeiden und das Aufbauen der Oberstufe auf die Sekundarstufe I zu gewährleisten – z.B. durch den Unterricht von Lehrern in Unter-, Mittel- und Oberstufe.
  • Die „Krise der basalen Fähigkeiten" vor allem in der Mathematik ist vor allem ein Thema der Klassen 1 bis 10, weniger der Oberstufe.
  • Bei einer Neuregelung der gymnasialen Oberstufe sollten die Schulen ausreichend Gestaltungsfreiräume behalten.
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