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Samstag, 19. Mai 2012

In der gestrigen Expertenanhörung des Schulausschusses zum Schulreformgesetz unterstützen insbesondere die auswärtigen Experten die Gesetzesvorlage mit Nachdruck. Der von der SPD benannte Siegfried Arnz, Leiter des Modellvorhabens eigenverantwortliche Schule in Berlin, sprach von einem „sehr klaren und professionellen" Konzept. Zur eigenverantwortlichen Schule gibt es aus seiner Sicht - trotz aller damit verbundenen Veränderungsprozesse und Anlaufschwierigkeiten - „keine Alternative": „Die Richtung stimmt. Und eigenverantwortliche Schulen bieten auch die Chance zu mehr Arbeitsplatzzufriedenheit."

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Dr. Heinrich Habeck, der zuerst in Niedersachsen und jetzt in Nordrhein-Westfalen für das Thema „Selbstverantwortete Schule" zuständig ist, hielt Forderungen Hamburger Schulleiter nach Umschichtungen von Stellen von der Bildungsbehörde in die Schulen für nicht zielführend: „Eine gewisse Bündelung von Serviceleistungen ist nicht ganz verkehrt." Wichtig sei, dass die Bildungsbehörde als Dienstleister für die Schulen fungiere. Auch Arnz hielt eine „Verschlankung der Schulverwaltung für keine Lösung."

Prof. Dr. Wilfried Schley, Schulorganisationsexperte vom Hamburger Institut für Organisationsentwicklung und Systemberatung, begrüßte vor dem Hintergrund von Forschungsergebnissen aus Bern die geplante stärkere regionale Vernetzung von Schulen. Er forderte eine „Schule des Hinschauens" und den „Mut zu kritischen Dialogen" statt einer „Harmoniekultur" sowohl in den Schulen als auch zwischen Schulaufsicht und Schulen. Die Gesetzesnovelle bezeichnete er als „sehr durchdacht und kompetent": „Hier ist sein sehr prägnanter Prozess gelaufen."

Einig waren sich die Experten, dass mit dem geplanten Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. August 2006 der eigentliche Prozess erst beginnt. Professor Schley rechnet vor dem Hintergrund von Erfahrungen aus England mit einem Zeithorizont von drei Jahren, bis die wesentlichen Veränderungsprozesse umgesetzt sind. Dr. Habeck mahnte, den komplexen Prozess in den Schulen „mit Geduld und Nachsicht zu begleiten."

Die Schulgesetznovelle sieht daher an vielen Stellen eine schrittweise Einführung von Maßnahmen bzw. zunächst eine Freiwilligkeit von Maßnahmen vor. Die in Hamburg geplante Einrichtung von schulischen Personalräten bezeichnete Arnz als „zwingend". Zudem forderte er die Schulen auf, Mut zu haben, die neuen Freiheiten zu nutzen: „Weshalb organisiert ein Gymnasium nicht auch einmal eine einführende Vorlesung für mehrere Parallelklassen, um mit den gewonnenen Personalressourcen hinterher besser differenzieren zu können?" Diese Möglichkeit sieht die Gesetzesnovelle ausdrücklich vor.

Rainer Hencke bestätigte aus seiner praktischen Erfahrung als Schulleiter einer der ersten selbstverantworteten Hamburger Schulen die Aussagen der auswärtigen Experten. Seine Schule habe sich deutlich positiv entwickeln können, es fänden heute viel intensivere Beteiligungsprozesse statt als früher. Die diesbezüglichen Bedenken der Lehrerkammer und der Elternkammer nannte er „sehr theoretisch". Er forderte aber eine Aufwertung der Schulsekretariate, da deren Aufgaben heute weit über normale Sekretariatsfunktionen hinausgingen, sowie die Möglichkeit der Einstellung von Sekretärinnen vom freien Arbeitsmarkt.

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Robert Heinemann: „Uns hat die gestrige Anhörung gezeigt, dass Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig einen hervorragenden Gesetzesentwurf präsentiert hat, der Hamburgs Schulen deutlich nach vorne bringen wird. Ich freue mich, dass wir darüber hinaus zu einzelnen Details noch einige Anregungen erhalten haben, die wir in den nächsten Tagen in unsere weiteren Überlegungen einfließen lassen werden."
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